Kapitel 2 – Und weiter geht´s

Als Mariechen aufwachte war der Tag schon lang wieder angebrochen. Der Albatros befand sich im Anflug auf eine große Stadt mit vielen hohen Häuser. So hohe Häuser hatte Mariechen noch nie gesehen. Eine riesengroße Frau aus Stein mit einer Krone und einer Fackel in der Hand begrüßte die Reisenden mit einem Lächeln und einem fröhlichen „Herzlich Willkommen in Amerika meine kleinen Freunde“. Der Albatros umkreiste einmal ihren Kopf und flog dann immer tiefer, bis er auf einer kleinen Insel mitten in dem großen Fluss landete, der rechts und links um die grosse Stadt floss. Ein wenig steif von der langen Reise sprang Mariechen nach der Landung auf den Boden und schüttelte sich. Sie schlug ein paar Mal mit ihren Flügelchen und drehte dann übermütig einige Runden durch die Luft, die hier so anders roch als zuhause. Es war alles so spannend und wer weiß, welche Abenteuer noch auf sie warteten.

In der Zwischenzeit wurde das Gepäck der kleinen Reisegruppe von fünf flinken Stadtmäusen umgepackt. Mariechen sah, wie ihr Koffer zu einem Pelikan getragen wurde. Das musste bedeuten, dass er ihr Pilot für die nächste Etappe war. Sie flog zu ihm runter. Der Pelikan bekam gerade noch ein paar leckere Fische als Stärkung gebracht. „Hallo ich bin Mariechen. Fliegst du mich ins Palmenland?“ Der Pelikan lächelte sie freundlich an. „Hallo Mariechen, ich bin Kilian. Ja, ich werde dich ins Palmenland fliegen. Freust du dich denn schon? Es ist wirklich sehr schön dort“. Mariechen ́s Augen begannen wieder vor Freude zu funkeln. „Oh ja, ich bin schon sehr gespannt. Ich besuche meine Schwester. Wann fliegen wir denn los?“. Mariechen wartete ungeduldig auf eine Antwort. Kilian blickte auf Mariechen und neigte den Kopf zur Seite. „Du hast eine lange Reise hinter dir und noch einige Stunden Flug vor dir. Möchtest du dich nicht auch etwas stärken und frisches Wasser trinken? Bei Tina, der Taube dort drüben, kannst du ein paar Beeren und Kräuter bekommen. Außerdem hat sie frisches Quellwasser.“ Erst jetzt merkte Mariechen, dass sie wirklich großen Hunger hatte und ihr Mund schon ganz trocken war. Sie ließ sich von Tina drei große Beeren und ein Blatt voll Wasser geben, setzte sich ans Ufer und begann zu essen. Diese Beere waren mit nichts zu vergleichen, das sie von zu Hause kannte, aber sie schmeckten ganz köstlich. Ihr Blick viel auf das bunte Treiben am anderen Ufer. Überall konnte man Gewusel erkennen. Sie nahm noch einen großen Schluck von dem Quellwasser. Gut gestärkt und zufrieden drehte sie dann noch ein paar kleine Runden über der Insel und flog zu Kilian zurück.

Die Mäuse hatten bereits alles Gepäck in den Boxen verstaut und zogen Kilian seine Mütze und die Fliegerbrille an. Mariechen suchte sich schnell wieder den besten Platz direkt am Hals ihres Piloten und schnallte sich an. Kurze Zeit später ging es auch schon los. Doch diesmal war Mariechen richtig wach und ausgeschlafen. Sie wollte nichts verpassen.

Kilian startete durch und schon bald wurde auch die große Stadt wieder ganz klein. Die steinerne Dame winkte ihnen zum Abschied nach und wünschte ihnen einen guten Flug. Der Himmel strahlte hellblau und es war kein Wölkchen zu sehen. Sie flogen lange Zeit an der Küste entlang und Mariechen genoss die Aussicht von so weit oben. In der Ferne konnte sie hohe Berge sehen, ähnlich wie bei ihr zu Hause. Von hier oben sah die Welt so klein aus, wie Spielzeug. Auch die Menschen waren ganz klein, genau wie ihre Autos und Häuser. Je länger sie flogen desto wärmer wurde es.

Auf einmal tauchten unter ihnen große Sumpfgebiete auf. Kilian flog etwas tiefer. Hier gab es ganz viele Krokodile und Vögel, die Mariechen noch nie gesehen hatte. „Das sind die Everglades“ rief ihr Kilian zu. Dann zog er wieder an, um höher zu fliegen. Mariechen war froh darüber, denn sie hatte schon befürchtet, dass eines der Krokodile vielleicht plötzlich nach ihnen schnappen könnte. Aber zum Glück schienen alle satt und zu behäbig zu sein, um sich groß zu bewegen.

Plötzlich hörte das Land auf. Mariechen sah wieder das Meer und dann ganz viele Inseln unter sich. Die Inseln waren aufgereiht wie auf einer Ketten und verbunden waren die durch eine lange Straße. Sie waren jetzt schon wieder einige Zeit unterwegs und das viele Schauen machte hungrig. Zum Glück hatte sich Mariechen ein paar der leckeren Kräuter eingesteckt, die sie jetzt genüßlich aß. Das blaue Meer mit den vielen kleinen Inselchen sah so wunderschön aus, dass Mariechen anfing zu singen. Sie war einfach nur glücklich. Kilian gefiel ihr Gesang und er lies sich in den Luftströmen treiben und spielte mit ein paar kleinen Wolken.

Da tauchte plötzlich eine Möwe unter ihnen auf. „Alles in Ordnung. Es ist alles für deine Landung vorbereitet Kilian. Wir haben dir auch schon ein paar extra leckere Fische gefangen.“. Kilian glitt langsam zu der Möwe herunter. „Vielen Dank Tout! Das ist lieb von euch! Dann nichts wie runter! Festhalten!“ Mariechen grub ihre Fingerchen fest in das Federkleid des Pelikans und dann ging es auch schon rasant nach unten. Das war ein Spaß! Der Boden, der aus weißem Sand bestand kam immer näher. Etwas weiter entfernt konnte sie einen Wal sehen, der eine große Fontäne in die Luft blies. Hinter sich hatte er ein großes Schiff gespannt. Das war Mariechen ́s Ziel, das Schiff, auf dem ihre Schwester zur Zeit wohnte. Sie wurde ganz kribbelig. Kilian flog eine Kurve über ́s Meer und landete galant auf dem Wasser. Dann schwamm er an ́s Ufer um seine Passagiere abzusetzen.

Am Strand stand schon Leni, Mariechen ́s Schwester und winkte ihr zu. Fröhlich sprang Mariechen runter und die beiden fielen sich um den Hals. „Bon bini! Das heißt hier herzlich willkommen. Oh wie schön, dass du da bist!!!“ rief Leni. „Hattest du eine gute Reise? Komm ich muss dir gleich alles zeigen. Ich freu mich ja so.“. Leni war kaum zu bremsen. „Aber mein Koffer!“ Kaum hatte Mariechen das gesagt, kamen auch schon zwei Leguane. Der eine schnappte sich gerade Mariechen ́s Koffer und noch andere Gepäckstücke und war dann schon auf dem Weg zu dem großen Wal. „Die beiden kümmern sich um alles. Ich zeig dir jetzt erstmal das Schiff. Komm mit!“ Damit flog sie voraus. Mariechen beeilte sich ihr zu folgen. Sie landeten direkt auf dem Rücken des Wals. Von hier aus führte eine Brücke zum Schiff. „Du hast ein Zimmer mit Meerblick ganz oben.“ Leni ging voran und führte Mariechen zu ihrer Kabine. Die war wunderschön. Ein weiches Moosbett, ein großer Spiegel, ein chiques Bad mit einer Dusche und ein großer Schrank. Neben dem Bett stand eine Blatt- Karaffe mit frischem Wasser und ein paar Beeren. Mariechen ließ sich ins weiche Moosbett fallen. „Wie herrlich!“ Und dann musste sie einmal herzhaft gähnen. Leni lachte. „Ich glaube du ruhst dich erstmal aus. Ich hol dich in ner Stunde wieder ab und dann zeig ich dir, was es hier alles gibt.“ „Einverstanden!“ murmelte Mariechen. Da war sie auch schon eingeschlafen. Die lange Reise und die vielen neuen Eindrücke ließen sie schnell in die Traumwelt entschweben.

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Kategorien: Mariechen im Palmenland | Schlagwörter: , | Hinterlasse einen Kommentar

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