Kapitel 8 – Oh wie schön ist Panama

Bis sie fertig waren mit frühstücken, hatten sie auch schon den Hafen erreicht. Durch das große Fenster sah man auf einen riesigen Palmenwald. Grün, saftiges grün in unterschiedlichen Schattierungen soweit das Auge reichte. „Packt euch noch ein paar Beeren ein.“ sagte Nathan in weiser Voraussicht. Mariechen steckte ein paar von den hell-lila Beeren in ihre Tasche, die ihr so gut geschmeckt hatten und dann machten sie sich alle zusammen auf den Weg zur Brücke. Sie lagen im Hafen von Colón. Dieser bestand aus einem großen und mehreren kleinen Stegen, an die ihr Schiff jetzt ganz nah herangefahren war. „Colón ist die zweitgrößte Stadt Panamas“ ertönte es aus den Lautsprechern im Gang. „Sie wurde 1850 von Bauarbeitern der Eisenbahngesellschaft gegründet. Erst einige Zeit später erhielt sie ihren heutigen Namen zu Ehren eines berühmten Mannes. Colón ist nämlich der spanische Name für Kolumbus. Und Panama bedeutet übrigens „Fisch im Überfluss“. Wir wünsche ihnen allen einen schönen Tag in Panama.“ Damit verstummte die Stimme aus den Lautsprechern. „Wow, das ist ja interessant.“ Mariechen freute sich, dass sie wieder was gelernt hatte.

„Pedro wird uns sicher auch noch vieles erzählen können über dieses schöne Land. Er wartet bestimmt schon auf uns.“ Die vier liefen vergnügt die große Rampe runter, die die Mäuse schon ausgefahren hatten und hüpften auf den Steg. Mariechen schaute sich um. Am Ende des Steges, da wo Panama für sie begann, stand ein großes Gebäude. Überall wuselten geschäftig verschiedene Tiere herum. Ihr Schiff war nicht das einzige im Hafen. Die meisten waren allerdings Frachtschiffe, die be- und entladen wurden. Große Säcke und Kisten mit Kaffee, Tabak und Früchten standen herum und wurden transportiert. Fasziniert beobachteten die vier das rege Treiben. Plötzlich rauschte es über ihnen und Pedro landete direkt neben Mariechen auf einem Pfosten. „Beeindruckend nicht wahr?“ „Hallo Pedro! Oh ja, das ist es!“ Mariechen freute sich ihren neuen Freund zu sehen. Sie drehte sich wieder zu den anderen. „Darf ich vorstellen, Pedro. Und das ist meine Schwester Leni und unsere Freunde Nathan und Costa. Sie wollen auch mitkommen.“ Pedro schüttelte mit allen Flügel, bzw. Pfoten oder Beinchen. „Das ist ja schön. Freut mich, dass ihr dieses schöne Land kennen lernen wollt. Dann machen wir uns doch mal auf den Weg. Da ich euch nicht alle in meinem Gefieder mitnehmen kann, müsst ihr den Bus nehmen. Kommt mit.“ Damit flog er voran. Die anderen folgten ihm. Als sie durch das große Gebäude liefen, sahen sie überall Regale mit Waren, die man zu besonderen Preisen und ganz frisch erwerben konnte. Sowas gibt es nur an Häfen. Da würde Mariechen sicher später einiges mitnehmen, auch für ihre Freunde zuhause.

Vor dem Gebäude stand schon ein Bus bereit, der allerdings nicht sehr vertrauenswürdig aussah. Man hätte fast meinen können, dass er nicht mehr lange fährt und bald auseinander fällt. Pedro war vorne an der Tür neben einem grün-roten Frosch gelandet. „Christopherus fährt euch ins Landesinnere und zeigt euch auch den Panamakanal. Wir treffen uns am Ufer des Sees, denn zu den Indianerstämmen kommt man wie gesagt nur mit dem Boot. Also, bis später!“ Damit schwang er sich in die Lüfte, drehte zwei Schleifen und flog davon. „Na dann steigt mal ein ihr Weltenbummler!“. Mit einem Lächeln und einer freundlichen Geste lud Christopherus seine Gäste in den Bus ein. Mariechen blickte ein wenig skeptisch und fragte vorsichtig. „Ist der denn auch sicher?“ Christopherus lachte. „Na klar junge Dame. Mit dem fahr ich schon seit 10 Jahren und der war mir immer treu.“ Auch die anderen seufzten ein wenig erleichtert auf und kletterten in den Bus. Dann ging die Fahrt los. Allerdings gab es hier zwar Straßen, aber die hatten jede Menge Hubbel und Löcher. Kein Wunder also, dass der Bus so ramponiert aussah. Um so erstaunlicher, dass er für seine 10 Jahre noch recht gut in Schuss war. Die Landschaft war zauberhaft. So viele verschiedene Pflanzen gab es zu sehen. Vereinzelt sah man ein paar Hütten oder auch mal eine Kirche oder eine Schule. Dann fuhren sie an einem breiten Fluss entlang. „Hinter der nächsten Kurve taucht der Panama Kanal auf.“ Christopherus fuhr etwas langsamer und dann sahen sie ihn. Eine große Schleuse. „Seht mal, da fährt sogar gerade ein Schiff durch“ rief Costa begeistert. „Das sieht aber ganz schön knapp aus!“. In der Tat. Von der Straße aus hätte man meinen können, dass das Schiff feststeckt. „Seit dem Bau des Kanals werden die Schiffe immer größer und breiter. Bei so riesigen Frachtern wie diesem da, ist es manchmal wirklich eine Zentimeterarbeit da durch zu kommen. Aber das sind Profis, da passiert so gut wie nie was.“ erklärte der Frosch ihnen. Das Schiff schien sich wirklich kaum zu bewegen. „Bis das durch ist, dauert sicher ne Zeit“ vermutete Leni. Dann machte die Straße schon wieder eine Kurve und sie fuhren weiter ins Landesinnere, weg vom Kanal.

Plötzlich entdeckte Mariechen Pedro, der auf sie zuflog. Sie winkte ihm fröhlich entgegen. Er flog über dem Bus mit und kurze Zeit später stoppte CIMG3121Christopherus auch schon. Sie standen am Ufer eines großen, tiefblauen Sees. Überall auf dem See waren mini-kleine Inseln mit Büschen und viele Vögel flogen übers Wasser. „Schaut mal, ich hab uns etwas ganz besonderes organisiert.“ Pedro deutete mit dem Flügel ein wenig nach links, doch was Mariechen dort sah ließ ihr kurzfristig den Atem stocken. Da lag ein großer Alligator im Kies. „Keine Angst! Alum tut nichts. Er wird uns ins Dorf der Embera Indianer bringen.“ Es kostete die vier einige Überwindung auf den Rücken des Alligators zu klettern. Aber Pedro hatte recht, trotz der großen Zähne, die beim Lächeln hervor blitzen, sah er eigentlich ganz nett aus. Um seinen Körper hatte er Riemen gespannt. „Haltet euch gut fest. Ich hoffe ihr seid nicht wasserscheu, denn es wird ein wenig spritzen.“ Alum vergewisserte sich, dass alle einen sicheren Platz hatten und glitt dann ins Wasser. Aber nur soweit, dass Mariechen und ihre Freunde trocken blieben. Und dann ging es los.

Mariechen hätte nie gedacht, dass ein so schwerfällig aussehendes Tier so schnell schwimmen konnte. Sie glitten durch das Wasser und die Gischt spritzen denCIMG3139 Freunden ins Gesicht. Über ihren Köpfen flog Pedro. „Panama ist eigentlich nur ein ganz kleines Land, aber es hat mehr Tier- und Pflanzenarten als Europa und Nordamerika zusammen.“ Er war wirklich ein sehr kluger Reiseführer. „Das ist ja der Wahnsinn! Ich hoffe wir sehen möglichst viele davon“ rief ihm Leni zu. „Dann schau doch gleich mal nach links.“ antwortete er „Da siehst du schon ein paar wunderschöne Exemplare von Enten und Wasservögeln, die du bestimmt so noch nicht gesehen hast.“ Pedro hatte recht. Solche Enten hatten sie noch nicht gesehen. Da gab es weiße Vögel mit langen schwarzen Beinen und schwarzen Köpfen „Das sind Jabiru“, silbrig glänzende Vögel mit langen, schlanken Hälsen „und dort drüben seht ihr ein paar Silberreiher“, schwarze Vögel mit gelben Köpfen und großen Schnäbeln, „und hier auf dem Baum sitzen ein paar Tukane“ erklärte Pedro. „Und das da ist ein Pelikan, richtig?“ Mariechen hatte schon Bilder in Büchern gesehen von dem Vogel mit dem geräumigen Schnabel, mit dem er Fische fing. „Das stimmt, sehr gut.“ Sie kamen noch an Albatrossen, Ibissen und Papgeien vorbei. Dann steuerte Alum auf eine Wasserstrasse zu. Diese was recht schmal und von beiden Seiten neigten sich die Bäume, Büsche und Sträucher ins Wasser. Immer wieder streiften Blätter ihre Gesichter. Und hier bot sich ihnen ein ganz besonders schönes Schauspiel. Schmetterlinge in allen möglichen Farben und Mustern flogen zwischen den Pflanzen. Eine Gruppe himbeerroter Falter kam zu ihnen geflogen. „Willkommen in Panama!“ trällerten sie ihnen zu und flogen schon wieder weiter. Mariechen winke ihnen nach.

 

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Kategorien: Mariechen im Palmenland | Schlagwörter: , | Hinterlasse einen Kommentar

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