Kapitel 9 – Bei den Embera Indianern

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Nach einigen Kreuzungen und Abzweigungen kamen sie im Dorf der Embera Indianer an. Freundlich wurden sie von ihnen mit Trommelklängen in Empfang genommen. Sie bedankten sich bei Alum für die Fahrt und sprangen an Land. „Wir holen euch nachher wieder ab. Viel Spaß bei Mala und den anderen!“ Pedro drehte eine Runde über ihren Köpfen. Mala, eine alte Indianerin begrüßte sie. „Willkommen in unserm Dorf. Ich bin Mala. Wir freuen uns sehr, dass ihr unsere Gäste seid. Kommt doch bitte mit.“ Sie gingen einen schmalen Pfad entlang zum Dorf. Die Indianer hatten ihre Häuser auf Pfählen gebaut. Das sah richtig schön aus. „Oh, das sind ja Kolibri!“ rief Mariechen begeistert. Zwischen einem bunten Blumenbeet schwirrten mindestens ein dutzend der kleinen Vögel und saugten Nektar aus den Blüten.

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Mala führte sie zum großen Dorfplatz in dessen Mitte eine große Halle stand. Die anderen Emberas waren auch schon da und jede Menge Kinder kamen angelaufen. Costa und Nathan waren auch ganz überrascht. „Das scheint sich ja rumgesprochen zu haben, dass Besuch kommt.“ „Schön, dass ihr hergekommen seid. Wir würden euch gerne ein bisschen zeigen, wie wir so leben. Kasi und Tano führen euch erst mal im Dorf rum und dann gibt es was zu essen. Was haltet ihr davon?“ Ein kleines Mädchen und ein Junge waren zu Mala gelaufen und standen mit glitzernden Augen neben ihr. „Das wäre wundervoll!“ riefen die vier wie aus einem Mund. „Dann kommt mit uns.“ rief Kasi und schon hüpften die beiden los in Richtung der Blumenbeete. Dahinter standen einige Pfahlhäuser, die mit bunten Tücher behangen waren. „Das hier sind unsere Schlafhäuser. Jede Familie hat ein eigenes.“ Sie kletterten rein und man konnte sehen, dass alles sehr einfach, aber trotzdem irgendwie gemütlich aussah. An den Wänden standen mehrere Stockbetten. Mariechen zählte die Betten. „Neun Betten. Heißt das, dass ihr noch fünf weitere Geschwister habt?“ Kasi lachte „Tano ist nicht mein Bruder, er ist mein bester Freund. Ausser meinen Eltern und mir leben hier noch meine beiden Tanten, ihr Mann, deren Sohn und meine Schwester und mein Opa.“ „Wow, eine richtige Großfamilie. Ist das schön!“ Leni war begeistert. „Kommt ich zeig euch meine Hühner!“ Tano war schon wieder draussen. Er hatte nicht die Holztreppe benutzt, sondern war einfach von der Terrasse gesprungen. Er lief zum nächsten Haus. Unter dem Haus, zwischen den Pfählen waren kleine Kästen gebaut, die mit Stroh ausgelegt waren und es gab eine große Schüssel mit Futter und eine mit Wasser. Tano schnalzte mit der Zunge und von allen Seiten kamen Hühner angelaufen. Sie sahen anders aus als die Hühner, die Mariechen kannte, aber es war unverkennbar, dass es die gleiche Art war. Tano hat wohl ganz besonders leckeres Futter dabei, denn die Hühner scharrten sich um ihn. Er gab jedem etwas und streichelte ihren Kopf. „Ich bin für unsere Hühner verantwortlich. Ich muss sie füttern und ihre Ställe sauber halten. Ansonsten dürfen sie frei herum laufen. Nur das Schlachten, das übernimmt mein Opa.“ Mariechen war entsetzt. „Ihr schlachtet die?“ Tano konnte die Aufregung nicht verstehen. „Natürlich. Das ist der Lauf der Natur. Wir hegen und pflegen sie, bieten ihnen ein schönes Leben. Aber wenn die Zeit gekommen ist, dann dienen sie uns als Nahrung. Wir schlachten auch nur so viele, wie wir für uns brauchen. Wir gehen respektvoll mit ihnen als Lebewesen um und bedanken uns bei ihnen, dass sie uns nähren. Das ist ein ganz natürlicher Kreislauf.“

Sie schlenderten weiter durch das Dorf. Alles sah so friedlich und gemütlich aus. In direkter Nähe zu dem großen Platz standen noch weitere Häuser. Wobei man diese wirklich nicht mit Häusern im allgemeinen Sinn vergleichen durfte. Hütte traf es dann doch mehr. Aber die waren völlig ausreichend und so behaglich wie sie gesehen hatten. Weiter ins Landesinnere erstreckten sich noch ein paar weitere Hütten. „Insgesamt leben in unserem Dorf 21 Familie“ erklärte Tano.

„Wir stellen auch die meisten Dinge selber her, die wir brauchen.“ Kasi deutete auf eine Frau, die vor ihrem Haus saß und einen Korb flocht. „Wir Kinder und auch die Großen bis 16 Jahre gehen vier mal die Woche in die Schule nach Colón. Dort lernen wir zusätzlich zu unserer eigenen Stammessprach noch englisch und spanisch. Und auch rechnen, schreiben und lesen. Wir leben zwar völlig autonom, aber so könnten wir auch jederzeit woanders hingehen.“

Sie liefen noch weiter durch Felder, auf denen Getreide angebaut wurde und besuchten noch einige Familien. Jeder hier war so freundlich.

„Kasi, Tano, das Essen ist fertig!“ Malas warme, volle Stimme klang durch´s ganze Dorf. Schnell machten sich alle auf den Weg zurück. Schon von weitem duftete es ganz wunderbar, so dass den vieren das Wasser im Munde zusammenlief. Als sie in der großen Halle ankamen, lagen auf einemCIMG3162 Tisch für sie
Bananenblätter, die gefüllt waren mit Fisch und gebratenen Bananen. „Lasst es euch schmecken.“ Jeder nahm sich ein Bananenblatt und dann suchten sie sich ein gemütliches Eckchen in der Halle. Mariechen war ein bisschen irritiert, da es kein Besteck gab. Als gut erzogenes Marienkäfer-Mädchen wollte sie nicht einfach mit den Fingern essen. Sie schaute sich um. Die Indianer aßen alle den Fisch mit den Fingern aus dem Bananenblatt. Kasi lachte sie an. „Wir essen immer mit den Fingern, da brauchst du dir keine Gedanken zu machen. Die meisten Gäste sind anfangs verwundert. Los probier´s!“ Mariechen schob sich mit ihren kleinen Händen ein Stück Fisch in den Mund. Mmmmmhhhh … wie das schmeckte. Noch nie hatte sie so leckeren Fisch gegessen. Und die gebratene Banane passte wunderbar dazu.

„Wir möchten euch gerne noch einen Tanz unseres Stammes vorführen.“ Mala war auf sie zugekommen. „Oh,“ Mariechen bekam strahlende Augen „das wäre wunderbar. Vielen Dank, liebe Mala“. Mala verbeugte sich und winkte dann die anderen in die Mitte der Halle. Auch Kasi und Tano stellten sich auf. Und dann tanzten alle zu Flötenmusik, Trommeln und dem Gesang von Mala und einem älteren Mann. Es war fast wie ein Reigen, für Mariechen und ihre Freunde CIMG3170sehr beeindruckend. Die Art zu tanzen unterschied sich doch ganz gravierend von dem, was Leni und ihre Kollegen jeden Abend vorführten. Alle schienen viel Spaß an dem Tanz zu haben und Mariechen bemerkte, dass Kasi und Tano immer wieder kicherten. Als der Tanz zu Ende war, verbeugten sich alle. Leni, Mariechen, Costa und Nathan sprangen auf und klatschten begeistert. „Das war wunderbar! Total schön! Vielen Dank!“ riefen alle durcheinander. „Es freut uns wenn es euch gefallen hat.“ Mala lachte über´s ganze Gesicht. „Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr uns mal wieder besuchen kommt. „Oh ja, macht das bitte“ riefen auch Kasi und Tano. „Vielen Dank für die Einladung. Wir kommen gerne wieder. Es ist so schön bei euch.“ Mariechen freute sich so sehr solche besonderen Freunde gefunden zu haben. „Ich schreibe euch auch, wenn ich wieder zu Hause bin.“ Beschwingt hüpfen sie aus der Halle.

Unten am Fluss warteten Alum und Pedro schon auf sie. Mariechen umarmte Mala. „Vielen Dank für alles! Macht´s gut!“ Kasi und Tano begleiteten die vier noch bis zum Fluss und winkten ihnen lange nach.

Mariechen war noch ganz verzaubert von diesem Ausflug. Sie kletterte auf Alum’s Rücken und tätschelte die dicke Lederhaut. Auch die anderen hatten sich wieder ihren Platz gesucht. Verträumt blickte Mariechen zurück und wär fast ins Wasser gefallen. Sie hatte sich nämlich nicht rechtzeitig festgehalten als Alum sich vom Land abstoss und ins Wasser gleitete. Aber es war noch mal alles gut gegangen. Als ihnen dann das Wasser wieder ins Gesicht spritze quiekten die vier vergnügt auf.

Zurück auf dem Schiff unterhielten sie sich noch eine ganze Zeit mit Pedro oben auf Deck. Sie hatten ihm so viel von dem Tag zu erzählen. Als die Sonne langsam unterging und der Wal sich wieder in Bewegung setze begleitete Pedro sie noch eine Weile, bevor er abdrehte und zurück flog. Colin wurde immer kleiner.

Mariechen und Leni genossen das Naturschauspiel wie die Sonne langsam im Meer versank und alles in ein warmes rot-goldenes Licht tauchte.

„Lass uns schlafen gehen Mariechen. Morgen früh sind wir in Costa Rica und da gibt es wieder so viel zu erleben.“ Leni hakte sich bei Mariechen ein und die beiden gingen in ihre Kabinen.

Mariechen putzte sich schnell noch die Zähne und kuschelte sich in ihr Moos. Keine fünf Minuten später war sie auch schon eingeschlafen.

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